Ist Soja ungesund?

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In den Medien werden Sojaprodukte immer wieder kritisiert. Viele dieser „Beweise“ und Warnungen halten einer wissenschaftlichen Überprüfung jedoch nicht stand.

Kaum ein anderes Lebensmittel in der Welt der veganen Produkte ist so stark umstritten wie die Sojabohne und daraus hergestellte Erzeugnisse. Tofu, Sojamilch, Sojaschnitzel und Co. stehen wegen vermeintlich negativer Auswirkungen auf die Gesundheit in der Kritik. Verschiedene Anti-Soja-Artikel wie „Soja – eine Gefahr für die Menschheit?“ oder „Soja = Sondergiftmüll“ warnen mit dem Hinweis auf wissenschaftliche Untersuchungen vor gesundheitsschädlichen Wirkungen des Sojaverzehrs. Viele dieser „Beweise“ und Warnungen halten einer wissenschaftlichen Überprüfung jedoch nicht stand. So wird von manchen Verfassern einseitig oder nicht ausreichend recherchiert oder Fakten werden widersprüchlich zur Originalquelle dargestellt.

Vorbemerkung zum Thema „Ist Soja gesund?“

In diesem Beitrag und in den weiterführenden Artikeln werden teilweise auch Tierversuche zitiert. Der Grund dafür ist, dass diese in Anti-Soja-Artikeln häufig als Beleg für die schädliche Wirkung von Sojaprodukten angeführt werden. Versuche an Tieren, die zu gegenteiligen Ergebnissen kommen, werden in den betreffenden Artikeln jedoch ignoriert. Unabhängig davon ist die Übertragbarkeit auf den Menschen aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdig. Aus ethischer Sicht sind Tierversuche nach Ansicht des Autors abzulehnen.

Isoflavone

Meist werden die in der Sojabohne enthaltenen Isoflavone für vermeintlich schädliche Wirkungen verantwortlich gemacht. Isoflavone zählen zu den Phytoöstrogenen, einer Gruppe sekundärer Pflanzenstoffe. Da Phytoöstrogene in ihrer Struktur den menschlichen Östrogenen ähnlich sind, können sie an Östrogenrezeptoren binden und dadurch sowohl (schwache) Östrogene als auch antiöstrogene Wirkungen entfalten. Unabhängig von diesen hormonähnlichen Wirkungen sind sie in der Lage, die Aktivität von Enzymen sowie das Zellwachstum zu beeinflussen. Die mengenmäßig wichtigsten Isoflavone in der Sojabohne sind Genistein, Daidzein und Glycitein.

Isoflavongehalt von Sojabohnen und Sojaprodukten1

Mittelwerte
(Daidzein + Genistein)
mg Isoflavone/
100 g Nahrungsmittel
Sojabohnen (grün, frisch)151,17
Sojamehl148,61
Sojaproteinkonzentrat (Wasserextraktion)102,07
Tempeh43,52
Sojabohnensprossen40,71
Seiden-Tofu (fest)27,91
Sojaproteinkonzentrat (Alkoholextraktion)12,47
Sojamilch9,65
Vegetarischer Burger8,22

Positive Wirkungen des Sojakonsums

Zahlreiche Studien weisen auf potenziell gesundheitsfördernde Effekte des Sojakonsums hin. Traditionelle Sojaprodukte wie Tofu und Tempeh enthalten überwiegend einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Ersetzen sie Lebensmittel mit überwiegend gesättigten Fettsäuren wie Fleisch und Wurst, wirkt sich das positiv auf den Blut-Cholesterinspiegel aus. Unabhängig davon weist Sojaprotein einen leichten LDL-Cholesterin-senkenden Effekt auf. Beides wirkt sich günstig auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

Der Verzehr von Sojaprodukten wird in vielen epidemiologischen Studien mit einem verringerten Risiko für Prostatakrebs assoziiert. Darüber hinaus gibt es Hinweise aus epidemiologischen Untersuchungen, dass Sojakonsum das Osteoporoserisiko reduziert und sich günstig auf die Knochenmineraldichte auswirkt. Die Studienlage weist außerdem darauf hin, dass Sojaprodukte Wechseljahrbeschwerden lindern können.2,3,4

Fazit

Die weiterführenden Artikel zeigen, dass Behauptungen zur gesundheitsschädlichen Wirkung des Sojakonsums oft einseitig dargestellt oder zumindest umstritten sind. Teilweise beruhen sie auf einer einzigen Studie. Vermeintliche „Beweise“ auf sojakritischen Webseiten sind oft unzureichend recherchiert, zitierte Literatur wird teilweise unsauber oder falsch wiedergegeben und Studien, die auf mögliche positive Wirkungen des Verzehrs von Sojaprodukten hinweisen, werden ignoriert. Folglich sollten entsprechende Webseiten und Artikel kritisch hinterfragt werden.

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft hat der moderate Konsum von Sojaprodukten mehr positive als mögliche negative Gesundheitsauswirkungen. Hier besteht jedoch noch weiterer Forschungsbedarf. Zusammenfassend kam auch ein Expertengespräch des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu dem Schluss, dass „die Aufnahme von Isoflavonen im Rahmen einer normalen Soja-Kost bei üblichen Verzehrsmengen nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Kenntnisstand als unbedenklich angesehen werden kann“.5

 

Literatur

1 Foth D: Der Stellenwert von Phytoestrogenen in der Therapie des klimakterischen Syndroms. J Menopause, 10 (1), 13-20, 2003

2 Messina M, Messina V: The role of soy in vegetarian diets. Nutrients 2 (8), 855-88, 2010

3 Balk E, Chung M, Chew P, Ip S et al.: Effects of Soy on Health Outcomes. Evidence Report/Technology Assessment No. 126. Agency for Healthcare Research and Quality, Rockville 2005

4 North American Menopause Society: The role of soy isoflavones in menopausal health: report of The North American Menopause Society. Menopause 18 (7), 732-53, 2011

5 BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung): Fragen und Antworten zur Sicherheit von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln und ergänzenden bilanzierten Diäten. Ergebnisprotokoll eines Expertengesprächs im BfR am 5. Juni 2008