Alkoholische Getränke: Sind Bier, Wein und Sekt vegan?

Alkoholische Getraenke Bildquelle: iravgustin/ shutterstock.com

Auf Partys oder zu einem guten Essen wird gern mal ein Gläschen Alkohol getrunken. Auch alkoholfreie Sorten stehen hoch im Kurs. Dabei ist es nicht immer einfach, vegane Getränke zu erkennen.

Was bedeutet „vegan“ bei Getränken?

Bei den Grundzutaten ist es einfach: das Obst bei Säften, die Trauben beim Wein und das Getreide beim Bier ‒ da ist noch alles pflanzlich. Aber mit diesen veganen Inhaltsstoffen ist es nicht getan. Beispielsweise sind in vielen Spirituosen wie Amaretto Farb- und Aromastoffe zugesetzt, die nicht immer pflanzlichen Ursprungs sind. Der Farbstoff „Echtes Karmin“ beispielsweise wird aus Schildläusen gewonnen (dieser tierische Farbstoff steckt laut Verbraucherzentrale zum Beispiel in Beck’s Twisted Orange und in Schöfferhofer Grapefruit). Aber auch Trägerstoffe, die den Aromen zu ihrer Verdünnung zugesetzt werden, können tierischen Ursprungs sein.

Im Produktionsprozess werden Getränke „geklärt“ beziehungsweise „geschönt“. Damit ist beispielsweise das Entfernen von Trübstoffen und unerwünschten Farb- und Aromastoffen gemeint. So sollen Aussehen, Geruch und Geschmack der Getränke optimiert werden. Zum Klären und Schönen werden immer noch recht häufig tierische Stoffe verwendet. Da sie als technische Hilfsmittel gelten und nach dem Produktionsprozess wieder entfernt werden, müssen sie nicht auf dem Etikett platziert werden. Damit ist es mit der gängigen Deklaration unmöglich, vegane Produkte von nicht veganen zu unterscheiden.

Neben dem Einsatz tierischer Klärmittel gibt es eine weitere mögliche Verwendung tierischer Stoffe: der Etiketten-Leim. Dieser kann Casein aus Kuhmilch enthalten. Jedoch gibt es pflanzliche Alternativen wie zum Beispiel Kleber auf Stärkebasis.

Welche Stoffe kommen beim Klären und Schönen möglicherweise zum Einsatz?

Bestimmte Gesetze regeln, welche technischen Hilfsmittel eingesetzt werden dürfen. Beispiele sind das „Verzeichnis der zugelassenen önologischen Verfahren und Behandlungen“ für Wein, das „Vorläufige Biergesetz“ für Bier oder die „Fruchtsaftverordnung“ für Fruchtsäfte. Im Folgenden sind gängige Klärmittel aufgeführt. Meist werden – je nach Getränk – nur bestimmte Klärmittel dieser Liste verwendet.

10 gängige Klärmittel

  • Speisegelatine wird überwiegend aus Schweineschwarten, aber auch aus Knochen, Knorpeln und Sehnen des Rindes gewonnen.
  • Hausenblase ist die getrocknete Schwimmblase von Stören oder Welsen.
  • Kasein und Kaliumkaseinate werden aus Kuhmilch gewonnen.
  • Molkenproteine (Lactalbumin) werden aus Kuhmilch gewonnen.
  • Albumin wird aus Hühnerei gewonnen.
  • Aktivkohle kann von pflanzlichen, mineralischen, chemischen oder tierischen Quellen stammen und heißt dann dementsprechend beispielsweise Pflanzenkohle oder Knochenkohle.
  • Bentonit ist ein Tonmineral, das aus verwitterter Vulkanasche entsteht.
  • Kaolinerde ist ein Tonmineral, das aufgrund seiner entfärbenden Eigenschaften auch als Bleicherde bezeichnet wird.
  • Siliziumdioxid (Kieselsäure): Kieselsol enthält etwa 30 bis 60 % Siliziumdioxid. Es wird oft in Kombination mit Gelatine verwendet und ersetzt mittlerweile größtenteils die Tannine. Kieselgur besteht aus Siliziumdioxid und stammt aus Schalen fossiler Kieselalgen.
  • Tannine sind Gerbstoffe aus Pflanzenteilen. Sie werden meist in Verbindung mit Gelatine eingesetzt.

Ist Bier vegan?

Laut vorläufigem Biergesetz dürfen nur mechanisch und adsorbierend wirkende Klärmittel bei der Bierherstellung eingesetzt werden. Damit lässt das Gesetz die Verwendung tierischer Hilfsstoffe offen. Auch wenn in Deutschland die Biere wohl überwiegend vegan sein dürften, helfen entweder die direkte Nachfrage bei der Brauerei oder ein veganes Siegel.

Ist Schnaps (Obstbrand) vegan?

Dass Obstbrand nicht aromatisiert werden dürfe und eigentlich immer vegan sei, sagt Klaus Lindenmann vom Verband der Badischen Klein- und Obstbrenner e. V.: „Einem Obstbrand oder -geist dürfen nach dem Brennen keine Aromastoffe und auch keine Farbstoffe zugesetzt werden. Auch der Zusatz zu der Maische (Säure, Enzyme, Hefen) ist nicht tierischen Ursprungs. Auch bei der Filtration ist dies nicht der Fall. Aber bei Likören kann das wieder anders aussehen.“

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Eierlikör ist, wie der Name schon sagt, nicht vegan. Dies gilt auch für Amarula und Baileys, die beide Sahne enthalten, und für Met, den Honigwein.

Wie erkennt man vegane Getränke?

Seit etwa Mitte des Jahres 2012 müssen beispielsweise Albumin aus Hühnerei und Kasein aus Kuhmilch aufgrund ihres allergenen Potenzials deklariert werden – wenn sie denn noch im Endprodukt enthalten sind. Sobald diese tierischen Stoffe aber während des Produktionsprozesses entfernt wurden, besteht keine Deklarationspflicht. Die übrigen Klärmittel sind von der Kennzeichnungspflicht nicht betroffen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Getränke als vegan oder nicht vegan einzustufen. Die einfachste: vegane Siegel wie das V-Label. Damit sehen Verbraucher auf den ersten Blick, dass das Produkt tierleidfrei hergestellt wurde. Das Siegel kontrolliert Inhaltsstoffe der Getränke sowie Verarbeitungshilfsstoffe auf tierische Quellen, den Etiketten-Leim jedoch nicht.

Logo V-Label

V-Label – Siegel für vegetarische und vegane Produkte

Wenn die Zutatenliste nicht eindeutig ist, sorgt das V-Label für Transparenz. Das vom VEBU vergebene Siegel kennzeichnet verlässlich, welche Produkte vegetarisch oder vegan sind.

Für Produkte ohne Label hilft nur die direkte Nachfrage nach Inhaltsstoffen, Klärmitteln und Klebstoffen bei Händlern oder Herstellern. Prinzipiell kann jedes Getränk, sofern es kein veganes Label trägt, mit tierischen Stoffen in Kontakt gekommen sein: egal ob alkoholische Getränke wie Wein, Sekt, Bier und Wodka oder nicht alkoholische wie Säfte und alkoholfreie Biere, Weine und Sektalternativen. Besondere Vorsicht gilt bei Mischgetränken, die häufig aromatisiert und gefärbt sind. Aus der Zutatenliste ist nicht immer klar zu erkennen, ob die Aroma- und Farbstoffe pflanzlicher Herkunft sind.

Hätten Sie’s gewusst?

Hätten Sie’s gewusst?

Die rote Farbe von Aperol und Campari stammt nicht mehr vom Karmin der Cochenille-Schildläuse, sondern wird künstlich hergestellt.

Mit dem V-Label gekennzeichnete Getränke

Nach und nach lassen immer mehr Hersteller ihre Produkte mit dem V-Label kennzeichnen. Damit wird Verbrauchern der Einkauf erleichtert. Nachfolgend sind die Hersteller, deren vegane Getränke das V-Label tragen, gelistet. Viele davon produzieren auch alkoholfreie Sorten. Die Liste mit veganem Wein, Bier und Saft verschafft einen Überblick.

Liste mit Herstellern von veganem Wein und Sekt:

Liste mit Herstellern von veganem Bier:

Liste mit Produzenten von veganem Saft:

Die Dosis macht das Gift

Ob Veganer, Vegetarier oder Fleischesser ‒ beim Genuss sollte auch der gesundheitliche Aspekt eine Rolle spielen. Nach den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollten gesunde Frauen eine Alkoholmenge von 10 g pro Tag nicht überschreiten. Das entspricht etwa 100 ml Wein oder 250 ml Bier. Eine handelsübliche, kleine Bierflasche enthält bereits 330 ml Bier. Bei gesunden Männern liegt die akzeptable Menge bei 20 g täglich, also doppelt so hoch wie bei Frauen. Aufpassen sollte man vor allem bei Mixgetränken, die zwar nur geringe Mengen Alkohol enthalten, aber von denen dann meist gerade deshalb mengenmäßig viel getrunken wird.

Fazit

Wer ab und an mal ein veganes Schlückchen Alkohol oder Saft genießen möchte, sollte sich gut informieren: Wenn auf dem Getränk nicht gerade ein veganes Siegel wie das V-Label abgebildet ist, bleibt nur die direkte Anfrage beim Hersteller oder Händler. Denn bei der Herstellung aller Getränke, ob alkoholisch oder nicht, können tierische Klärmittel eingesetzt worden sein, ohne dass sie auf dem Endprodukt deklariert werden.

Julia Behr

Autorin

Julia Behr

M.Sc. Ernährungswissenschaftlerin