„It’s teatime“ – Facettenreicher Teegenuss

Tee

Gerade in der kälteren Jahreszeit fließt heiß aufgebrühter Tee in unseren Lieblingsbecher und beflügelt unsere Sinne. Damit die gemütliche Teezeremonie auch wirklich zu einem ganzheitlichen Genuss wird, nimmt folgender Beitrag die wichtigsten Fakten rund um das beliebte Heißgetränk unter die kulinarische Lupe.

Obwohl die Geschichte des Tees bereits über 5.000 Jahre zurückreicht, wurde er erst 1610 von Holland nach Europa gebracht. Heutzutage ist er das Weltgetränk Nummer 1.1 Während Kräutertees wie Salbei desinfizierend, Kamille beruhigend und Thymian entzündungshemmend wirken, wird insbesondere schwarz fermentierten und grünen Teeblättern ein gesundheitsförderndes Potenzial zugeschrieben. Beide koffeinhaltigen Sorten stammen übrigens vom selben Teestrauch namens „Camellia sinensis“ und unterscheiden sich nur in ihrem Herstellungsprozess. Im Fokus des ernährungsphysiologischen Interesses steht dabei der antioxidative Effekt. Verschiedene Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Tee das Risiko von Demenz, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren kann und einen besonders hohen Anteil an sekundären Pflanzenstoffen wie Flavonoiden und Co. besitzt.2

Matcha – Superfood à la Buddha

Matcha, ein pulverisierter Grüntee aus Japan, nimmt in puncto Gesundheit eine Schlüsselrolle ein. Untersuchungen zeigen, dass japanischer Matcha sehr hohe Mengen an zellschützenden Substanzen besitzt, allen voran EGCG.3 Dieser sekundäre Pflanzenstoff, der zur Kategorie der Polyphenole gehört, soll übrigens auch für die stressreduzierenden, beruhigenden Effekte von Matcha – bei gleichzeitiger Aktivierung und Konzentrationssteigerung – verantwortlich sein und erklärt das meditative Ritual von Zen-Mönchen: Der pulverisierte Grüntee wird mithilfe eines Bambusbesens in einer kleinen Keramikschale zeremoniell aufgeschäumt.

Während Kaffee auf das Stresszentrum wirkt und eine Ausschüttung von Adrenalin induziert, bieten Schwarz- und Grüntees die ideale Kombination aus anregenden Effekten, ohne auf neuronaler Ebene aufzuregen. Dennoch sollte auch beim Grün- oder Schwarzteegenuss eine moderate Menge von maximal 3 Tassen pro Tag angestrebt werden und der restliche Flüssigkeitsbedarf über Wasser, stark verdünnte Säfte und ungesüßte, koffeinfreie Kräuter- oder Früchtetees erfolgen.4

Die richtige Zubereitung von Tee

Damit Tee als Naturprodukt zu einem sicheren Lebensmittel wird, sollte das beliebte Aufgussgetränk wie folgt genossen werden: Um mögliche pathogene Keime abzutöten, empfiehlt es sich, Tee mit kochendem Wasser aufzugießen und zügig zu trinken, da beispielsweise Sporen in einer Thermoskanne mit warmem Kräuter- oder Früchtetee weiter auskeimen könnten. Im Gegensatz dazu steht der Zubereitungshinweis, grünen Tee nur mit heißem, nicht mehr kochendem Wasser aufzubrühen, um die positiven Effekte der Mikronährstoffe nicht zu zerstören. Der goldene Mittelweg – sprich kochendes Wasser 5 Minuten abkühlen zu lassen – gilt als sinnvoll. Dadurch werden auch die herben Nuancen reduziert, die mit steigender Ziehzeit wieder zunehmen.

Zur Frage, ob Teeblätter, Kräuter und Co. in Teekugeln aus Metall, ungebleichten Papiertütchen oder im Teesieb aufgegossen werden sollten, gibt es zahlreiche Theorien – letztendlich sollte hier das individuell bevorzugte Handling entscheiden.

Unterschiedliche Ziehzeiten bei Tee beachten

Früchtetees haben meist eine Ziehzeit von 10 Minuten. Während schwarzer Tee nach 3 bis 5 Minuten trinkfertig ist, beträgt die Zubereitungszeit von grünem Tee nur 1 bis 3 Minuten. Je länger die Teeblätter mit dem heißen Wasser reagieren, desto mehr beruhigende, aber auch bitter schmeckende Gerbstoffe werden herausgelöst, die den anregenden Effekt des Koffeins überdecken. Diese entspannende Wirkung erklärt, warum insbesondere schwarzer Tee als beliebtes Hausmittel bei Magen-Darm-Erkrankungen gilt.5

Tee am besten mit pflanzlicher Milch genießen

Eine Studie der Charité Berlin konnte aufzeigen, dass der Genuss von grünem und schwarzem Tee pur oder mit einer pflanzlichen Milchalternative erfolgen sollte.6 Dieser Aspekt basiert darauf, dass tierisches Eiweiß die positiven, zellschützenden Effekte der sekundären Pflanzenstoffe hemmt. Wer bereits die Kombination aus schwarzem Tee oder Gewürztee und aufgeschäumter Mandel- oder Nussmilch probiert hat, wird vermutlich sowieso schon längst überzeugt sein, denn die Zutaten harmonieren exzellent miteinander. Auch Kaffeefans sollten diesen Hinweis beherzigen, da auch die antioxidative Wirkung von Kaffeebohnen durch das Milchprotein zum Beispiel in Kaffeesahne reduziert wird.

Geeignete Süßungsmittel und Aromen bei Tees

Zum naturbelassenen Süßen von Tees eignen sich neben Agavendicksaft auch rein pflanzlicher Löwenzahnhonig, Ahornsirup, Kokosblütenzucker und eingedickter Obstsaft. Der Zahngesundheit zuliebe und auch im Hinblick auf den Kaloriengehalt sollten alle Teesorten nur sparsam gesüßt werden.

Naturbelassenen Tee bevorzugen

Beim Betrachten der einzelnen Teesorten im Supermarkt fällt auf, dass viele Produkte aromatisiert sind. Da in aromatisierten Tees deutlich höhere Pestizidmengen gesetzlich toleriert werden7 und die Zusätze Allergien auslösen können8, sollte naturbelassener Tee bevorzugt werden.

Hier gilt: Wer schwarzen Tee mit lieblicher Vanille mag, verwendet einfach ausgekratzte Vanilleschoten vom letzten Dessert und aromatisiert seinen Tee auf ganz natürliche Weise selbst. Ein köstlicher Adventstee ist im Handumdrehen aus getrocknetem Grün- oder Schwarztee gezaubert, wenn er mit Zimt, selbst getrockneter Bio-Orangenschale, Nelken, Kardamom, Vanilleschoten und Co. aromatisiert wird. Noch schneller geht es mit fertigem Lebkuchengewürz ohne künstliche Zusätze. Wer eine koffeinfreie Variante favorisiert, nimmt als Basis alternativ Rotbuschtee (Rooibostee) und versetzt die milden Blätter mit den weihnachtlichen Nuancen.

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Schadstoffbelastungen bei Tees

In den letzten Jahren haben Untersuchungsergebnisse Verbraucherinnen und Verbraucher immer wieder verunsichert. 2013 deckte beispielsweise eine Stichprobe an Kräutertees des Bundesinstituts für Risikobewertung hohe Dosen an Pyrrolizidinalkaloiden auf, die unter Verdacht stehen, krebserregend zu sein.9 Im selben Jahr zeigten Analysen durch Ökotest erhöhte Pestizid-Konzentrationen in konventionellem Kräutertee.10 Stiftung Warentest entdeckte 2014 toxische Substanzen und Pestizide in schwarzem Tee, wobei in den getesteten Bio-Tees keine Pestizid-Rückstände ermittelt wurden.11 Eine Schadstoffuntersuchung von Kräutertees im Frühjahr 2017 ergab, dass insbesondere Kamillentees und Kräutermischungen mit Pyrrolizidinalkaloiden belastet waren.12

Da eine Gesundheitsgefährdung laut Expertinnen und Experten allerdings nur in hohen Dosen von intensiv belastetem Tee als wahrscheinlich gilt, braucht niemand auf Tee zu verzichten.9 Als Fazit bleibt festzuhalten, dass es sinnvoll ist, beim Kauf auf Bio-Qualität zu achten, Kräutertees selbst herzustellen oder die einzelnen Fertigsorten regelmäßig zu variieren. Gerade Kinder sollten ihren Flüssigkeitsbedarf nicht ausschließlich über Tee decken.

„Do it yourself“ – Tee selbst ernten

Nicht zuletzt wegen einer möglichen Schadstoffbelastung kann sich jede Person seinen Lieblingstee ganz einfach selbst zubereiten. Wer die erfrischenden Nuancen von Pfefferminze liebt, kann direkt frische Minzstängel in Bio-Qualität aufbrühen. Für einen getrockneten Tee werden Minzblätter aus dem Garten oder vom Balkon alternativ im Frühsommer vor der Blüte geerntet und getrocknet.

Wer Halsschmerzen mit Salbeitee vertreiben möchte, trocknet die Blätter ebenfalls direkt vor oder direkt nach dem Blühen. Zur Herstellung eines beruhigenden Melissentees mit herrlich frischem Zitronenaroma kann das ganze Kraut im Sommer geerntet und getrocknet werden.

Für den Klassiker Kamillentee werden nur die Blüten verwendet, die – genau wie die jungen Blätter und Triebe von Brennnesseln – an unbefahrenen Feldrändern zwischen Frühling und Sommer zu pflücken sind. Wärmende Aufgüsse von Ingwer oder getrockneten Apfelschalen sowie heiße Zitrone runden das Repertoire aromatisch und genussvoll ab.

Noch ein finaler Einkaufstipp: Tee, Kaffee und auch Kakao möglichst fair gehandelt kaufen.

Beke Enderstein

Autorin

Beke Enderstein

Diplom-Oecotrophologin

Quellen

1 Deutscher Teeverband e. V. (2016): Wie der Tee nach Europa kam. Online unter http://www.teeverband.de/presse/presse_texte/Rund_um_Tee-Teeverband/2016/Tee_nach_Europa.php [05.04.2017].

2 Pander, Dr. C. (2017): Ist Tee wirklich gesund? Online unter http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Ist-Tee-wirklich-gesund-459477.html [02.03.2017].

3 Goldscheider, S. (2016): Grüner Tee – Gesundheit und Wirkung. Online unter http://www.biothemen.de/Spezialitaeten/japan/gruentee_gesundheit.html [02.03.2017].

4 Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2015): Richtig trinken – fit bleiben. Online unter https://www.dge.de/presse/pm/richtig-trinken-fit-bleiben/ [02.03.2017].

5 Spaeth, M. (2016): Tee: Gesund trinken. Beliebtes Getränk mit gesundem Genuss. Online unter https://www.aid.de/inhalt/tee-gesund-trinken-28491.html [02.03.2017].

6 Charité – Universitätsmedizin Berlin (2007): Milch setzt gefäßschützenden Wirkstoff Katechin außer Kraft. Pressemitteilung vom 09.01.2007. Online unter https://www.charite.de/service/pressemitteilung/artikel/detail/milch_setzt_gefaessschuetzenden_wirkstoff_katechin_ausser_kraft/ [02.03.2017].

7 Hachmeister, A. (NDR 2013): „Sehr problematisch sind aromatisierte Tees“. Online unter http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Sehr-problematisch-sind-aromatisierte-Tees,bitterertee115.html [02.03.2017].

8 Deutsches Grünes Kreuz für Gesundheit e. V.: Nahrungsmittelallergien. Online unter http://dgk.de/gesundheit/ernaehrung/nahrungsmittelallergien.html [02.03.2017].

9 Bundesinstitut für Risikobewertung (2013): Pyrrolizidinalkaloide in Kräutertees und Tees. Stellungnahme 018/2013 des BfR vom 5. Juli 2013. Online unter http://www.bfr.bund.de/cm/343/pyrrolizidinalkaloide-in-kraeutertees-und-tees.pdf [02.03.2017].

10 Öko-Test (2014): Testbericht Tee, Kräuter. Mir kraut vor dir. Online unter http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=105122&bernr=04 [02.03.2017].

11 Stiftung Warentest (2014): Schwarzer Tee im Test: Darjeeling und Ceylon-Assam schadstoffbelastet. Online unter https://www.test.de/Schwarzer-Tee-im-Test-Darjeeling-und-Ceylon-Assam-schadstoffbelastet-4767560-0/ [02.03.2017].

12 Stiftung Warentest (2017): Kräutertee: Nur gut die Hälfte überzeugt im Schadstofftest. Online unter https://www.test.de/presse/pressemitteilungen/Kraeutertee-Nur-gut-die-Haelfte-ueberzeugt-im-Schadstofftest-5160713-0/?m_i=DR9N6nv6akI381JqR2qnaY_%2BSx655wFuiNJv5_jmqPMUUPWfB39jUFN6pAl%2B1f4xRYlJB20MhxZcklmwz1BuDlPBDkDKgT [05.04.2017].