Kritik an Palmöl zwingt Industrie und Handel zum Umdenken

Palmöl

Von Margarine und Backwaren über Fertigprodukte und Süßigkeiten bis hin zu Kosmetik und Reinigungsmitteln: Jedes zweite Supermarktprodukt enthält Palmöl. In den letzten Jahren ist die Verwendung jedoch zunehmend in die Kritik geraten. Von der Rodung des Regenwaldes über massive Menschenrechtsverletzungen auf den Palmölplantagen bis hin zu gesundheitlichen Risiken für Konsumierende ergeben sich zahlreiche Problemfelder. Immer mehr Supermarktketten reagieren und streichen Palmöl von den Zutatenlisten ihrer Eigenmarken. ProVeg hat die wichtigsten Fakten zusammengefasst.

Was ist Palmöl?

Palmöl, auch Palmfett, ist ein Pflanzenöl, das aus der Frucht der Ölpalme gewonnen wird. Das Aussehen der orangeroten Ölpalmfrucht ähnelt dem einer Olive. Das weiche Fruchtfleisch, aus dem das Palmöl gewonnen wird, umschließt einen harten Kern, aus dem wiederum Palmkernöl extrahiert wird.1

Aufgrund seiner Eigenschaften enthalten viele Produkte Palmöl

Wegen seiner Eigenschaften ist Palmöl das am häufigsten verwendete Pflanzenöl unserer Zeit. Es ist geruchs- und geschmacksneutral und neben Kokosfett das einzige pflanzliche Fett, das bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz besitzt. Zudem ist es hitzebeständig und eignet sich daher zum Backen, Braten und Frittieren. Im Vergleich zu anderen Ölsaaten wie Raps oder Soja benötigt Palmöl deutlich weniger Anbaufläche. Palmöl stammt daher nicht nur von den ertragreichsten Öl liefernden Pflanzen, sondern ist auch das billigste Pflanzenöl auf dem Markt. Daher enthält fast jedes zweite Supermarktprodukt Palmöl.2

Palmöl steckt in Nahrungsmitteln und Kosmetikprodukten

Rund 68 % des weltweit produzierten Palmöls wird für die Nahrungsmittelherstellung verwendet. Hier kommt es hauptsächlich in Margarine, Brot und Backwaren, Fertigprodukten, Süßigkeiten wie Schokolade und Eiscreme sowie Knabbereien zum Einsatz. An zweiter Stelle stehen mit 27 % Kosmetikprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel. Hier ist Palmöl vor allem in Tensiden und Emulgatoren enthalten.2 Diese sorgen dafür, dass ein Shampoo schäumt, eine Bodylotion die Haut geschmeidiger macht oder die Farbe des Lippenstifts besser hält und dabei keinen Eigengeschmack hat.3 Erkennbar ist Palmöl in Kosmetikprodukten jedoch nur schwer, da es sich hinter Bezeichnungen wie „Sodium Cetearyl Sulfate“, „Elaeis Guineensis“ oder „Glycerinfettsäureester“ verstecken kann.4 Hilfe bei der Identifizierung bieten Apps wie „CodeCheck“ oder Informationsbroschüren verschiedener Organisationen.

Palmöl im Tierfutter

In der Debatte um die Verwendung von Palmöl stehen hauptsächlich die Sektoren Nahrung, Kosmetik und Energie im Fokus der Öffentlichkeit. Doch auch die Futtermittelbranche trägt zur weltweit steigenden Nachfrage bei. Allein in Deutschland entfällt der drittgrößte Anteil am gesamten Palmölverbrauch mit 147.700 Tonnen auf Futtermittel für die industrielle Tierhaltung.5 Palmöl wird hier als günstiger Fettzusatz genutzt und steckt deshalb indirekt auch in Fleisch, Milch, Käse oder Eiern.6

Kritik am Palmölanbau

Aufgrund der hohen Nachfrage werden insbesondere in Malaysia und Indonesien großflächig Regenwälder zerstört, um dort neue Palmölplantagen anzulegen. Der Palmölanbau erfolgt in Monokulturen ohne Fruchtfolge. Diese Anbaumethode ist besonders schädlich für die Böden und wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt aus. Zudem geht der Anbau in den Ländern rund um den Äquator oft mit der Vertreibung der lokalen Bevölkerung und illegaler Landaneignung, dem sogenannten Landgrabbing, einher.6,7 Auch viele Tiere, wie die inzwischen vom Aussterben bedrohten Orang-Utans, kommen bei den Brandrodungen ums Leben, verhungern, werden getötet oder illegal verkauft.

Durch die Ausweitung der Palmölplantagen verschwinden außerdem wichtige Anbaugebiete für Lebensmittel, was dazu führt, dass die Ernährungssicherung der lokalen Bevölkerung nicht mehr gewährleistet werden kann. Menschen, die auf den Palmölplantagen arbeiten, leiden wiederum oft unter schlechten Arbeitsbedingungen wie etwa niedriger Bezahlung, fehlender Schutzkleidung oder komplett fehlender sozialer Absicherung.8 Nicht zuletzt trägt die Rodung der Regenwälder massiv zum globalen Treibhauseffekt bei. Der enorme Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern belastet die Flüsse sowie das Grund- und Trinkwasser.9

Kritik an zertifiziertem Palmöl

Mit dem Ziel, den Palmölanbau nachhaltiger zu gestalten, wurde 2004 der „Roundtable of Sustainable Palm Oil (RSPO)“ gegründet. Die Mitglieder setzen sich unter anderem aus der Palmölproduktion und -verarbeitung, dem Einzelhandel, Banken sowie Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammen. Gemeinsam haben sie Mindeststandards für den Anbau von Ölpalmen entwickelt. Inzwischen sind 19 % der globalen Produktionsmenge mit dem RSPO-Label zertifiziert.10 Doch selbst die niedrigen Mindeststandards des RSPO werden nach Angaben unabhängiger NGOs nur unzureichend eingehalten und Verstöße kaum geahndet. Die genaue Herkunft des Öls ist bei vielen Herstellfirmen nicht nachzuvollziehen. Mitgliedsunternehmen des RSPO geraten immer wieder in die Kritik wegen teils illegaler Regenwaldrodungen.11

Gesundheitliche Bedenken bei Palmöl

Für bestimmte Bereiche der Nahrungsmittelproduktion müssen pflanzliche Öle erst aufwendig gehärtet werden. Bei diesem Prozess entstehen sogenannte Transfettsäuren, die als gesundheitsschädlich eingestuft werden.12 Da Palmöl ohnehin eine feste Konsistenz besitzt, entfällt dieser Verarbeitungsschritt, was in diesem Zusammenhang einen gesundheitlichen Vorteil bietet. Gleichzeitig entstehen durch die Raffination des Pflanzenöls Stoffe wie Glycidyl-Fettsäureester. Dieser Fettsäureester gilt als Karzinogen, weshalb Palmöl wiederum unter Verdacht steht, krebserregend zu sein. Besonders problematisch ist hierbei die Verwendung von raffiniertem Palmöl in zahlreichen Produkten, wodurch Konsumierende diesem Stoff kontinuierlich ausgesetzt sind.13

Palmöl selbst weist einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren auf. Nach Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren nicht mehr als 10 % der Nahrungsenergie ausmachen. Eine gesteigerte Aufnahme kann das Risiko für eine Fettstoffwechselstörung sowie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.14 Das macht den inflationären Einsatz von Palmöl auch aus gesundheitlichen Gründen problematisch.

Nach weltweiten Protesten verzichten immer mehr Firmen auf Palmöl

2014 trat eine neue EU-Verordnung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln in Kraft. Seitdem darf Palmöl nicht länger unter „pflanzliche Fette oder Öle“ in der Zutatenliste aufgeführt werden, sondern muss konkret namentlich genannt werden.15 Dadurch ist es für Verbrauchende deutlich leichter, Produkte mit Palmöl zu identifizieren. Seitdem ist die öffentliche Kritik und die Forderung nach Alternativen enorm gestiegen. Darauf reagieren immer mehr Herstellende und der Handel. Im April 2018 verkündete beispielsweise eine Supermarktkette aus Großbritannien, dass sie bis Ende 2018 in allen Produkten ihrer Eigenmarke kein Palmöl mehr verwenden wird. Nach eigenen Angaben wird durch diesen Schritt die Nachfrage nach Palmöl um mehr als 500 Tonnen pro Jahr reduziert werden.16

Alternativen zu Palmöl

Als Alternativen zu Palmöl werden vor allem Raps-, Sonnenblumen-, Soja- und Kokosnussöl diskutiert. So ist beispielsweise der heimische Anbau von Sonnenblumen- oder Rapsölpflanzen deutlich nachhaltiger. Jedoch sind auch hierfür keine unbegrenzten Flächen vorhanden. Da Palmölpflanzen deutlich ergiebiger sind als alle anderen Ölpflanzen, kann die Lösung daher nur lauten, die Nachfrage nach Ölen generell zu senken. Um das zu erreichen, muss das Angebot verarbeiteter Produkte deutlich reduziert und der Fokus auf nachhaltige, unverarbeitete Lebensmittel gelegt werden. Eine klare Empfehlung ist daher, frische Lebensmittel statt Fertiggerichte zu konsumieren. Da außerdem ein Großteil des Palmöls für Futtermittel in der Massentierhaltung genutzt wird17, stellt eine pflanzenbasierte Ernährungsweise ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Problemlösung dar.

Anna-Lena Klapp

Autorin

Anna-Lena Klapp

Fachreferentin Ernährung und Gesundheit

Quelle

1 Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO (2018): Palm oil processing. Verfügbar unter: http://www.fao.org/DOCrEP/005/Y4355E/y4355e04.htm [15.05.2018]

2 Noleppa, Steffen & Cartsburg, Matti (2016): Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreieren Welt. WWF Deutschland, Berlin

3 Stiftung Warentest (2013): Nachhaltige Kosmetik: Problematisches Palmöl. Verfügbar unter: https://www.test.de/Nachhaltige-Kosmetik-Problematisches-Palmoel-4518594-4518570/ [15.05.2018]

4 Umweltblick, Robin Wood & ecodevelop (2018): Deklarationen von Palmöl. Verfügbar unter: http://www.umweltblick.de/index.php/downloads/item/deklarationen-von-palmoel [15.05.2018]

5 Forum Nachhaltiges Palmöl (2015): Verwendung von Palmöl und Palmkernöl. Verfügbar unter: https://www.forumpalmoel.org/ [16.05.2018]

6 Palmquist, D L (2004): Palm Fats for Livestock Feeding. Palm Oil Developments 40. S.10-15

7 Geuder-Jilg, E. (2014): Landnahme und ihre Auswirkungen auf Frieden, Sicherheit und Stabilität. Brot für die Welt, Berlin

8 Lentera Rakyat & Brot für die Welt (2011): The loss of reason – Human Rights Violation in the Oil-Palm Plantations in Indonesia. Verfügbar unter: https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/2_Downloads/Fachinformationen/Aktuell/Aktuell_22_loss-of-reason.pdf [05.05.2018]

9 Noleppa, Steffen & Cartsburg, Matti (2016): Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreieren Welt. WWF Deutschland, Berlin

10 Roundtable on Sustainable Palm Oil (2018): Vision & Mission. Verfügbar unter: https://rspo.org/about [16.05.2018]

11 Jürgens, G. (2016): Palmöl aus Raubbau in Indonesien. Greenpeace, Hamburg

12 Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2016): trans-Fettsäuren und ihr Einfluss auf die Gesundheit. Verfügbar unter: https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/fachinformationen/trans-fettsaeuren/ [15.05.2018]

13 EFSA, European Food Safety Authority (2016): Prozesskontaminanten in Pflanzenölen und Lebensmitteln. Verfügbar unter: https://www.efsa.europa.eu/de/press/news/160503-0, [15.05.2018]

14 Matthäus, Bertrand (2014): Fette und Öle: Grundlagenwissen und praktische Verwendung, Ernährungs Umschau 3/2014, S. 162 – 170

15 Europäische Union (2011): Verordnung (EU) Nr. 1169/2011. Verfügbar unter: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:304:0018:0063:de:PDF, [09.05.2018]

16 Iceland (2018): Iceland tob e UK’s first major supermarket to remove palm oil from own label food. Verfügbar unter: http://about.iceland.co.uk/wp-content/uploads/2018/04/Iceland-to-be-the-UKs-first-major-supermarket-to-remove-palm-oil-from-own-label-food-10.4.18.pdf, [09.05.2018]

17 Noleppa, Steffen & Cartsburg, Matti (2016): Auf der Ölspur – Berechnungen zu einer palmölfreieren Welt. WWF Deutschland, Berlin