ProVeg thematisiert die Klimarelevanz tierischer Produkte auf der COP 23

COP 23

Vom 6. bis 17. November 2017 fand die 23. UN-Klimakonferenz (COP) in Bonn statt. ProVeg war vor Ort, um die Diskussion über die Folgen unserer Ernährung für das Klima voranzutreiben. Die Teilnahme an der COP 23 war ein voller Erfolg, der im klimapolitischen Jahr 2018 übertroffen werden soll.

Durch eine von ProVeg organisierte Podiumsdiskussion, Gespräche mit Delegierten und die Präsenz innerhalb der Ausstellungsfläche haben wir das Thema „Tierhaltung und ihre Auswirkung auf den Klimawandel“ gut verständlich im Rahmen der COP 23 kommuniziert. Ein Thema, das bisher in den Verhandlungen und nationalen Klimaschutzstrategien vernachlässigt wurde.

Auf dem politischen Parkett mit eigenem Stand

Zwei Wochen lang war ProVeg mit einem Stand auf der COP 23 vertreten und konnte seine Mission, den globalen Konsum tierischer Produkte bis zum Jahr 2040 um 50 Prozent zu verringern, effektiv verbreiten. In Gesprächen mit internationalen Ministerien, Länder-Delegationen sowie Stellvertreterinnen und Stellvertretern der UN machte ProVeg sich dafür stark, ein Bewusstsein für die Auswirkungen der landwirtschaftlichen Tierhaltung auf den Klimawandel zu schaffen.

Zu den Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern zählten unter anderem der indische Minister für Umwelt und Klimawandel, führende Angehörige der grünen Bewegung aus ganz Europa, der Direktor für Klimapolitik der Stadt Atlanta (USA) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sowie Klimaexperten wie der Leiter des Cornells Institute for Climate Smart Solutions. Großes Interesse an der Thematik äußerten auch die Vereinten Nationen. ProVeg-Mitarbeitende gaben Interviews für das UN Department for Public Information als Teil ihrer Berichterstattung zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung und für das UN System Staff College für ihr internes Ausbildungscurriculum.

Petitionsübergabe mit 66.340 Unterschriften an Jochen Flasbarth

Einer der Höhepunkte war die Übergabe der im Vorfeld gestarteten Petition mit dem Titel „Tierhaltung auf die Klimaschutzagenda!“ an Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. ProVeg fordert in der Petition die Bundesregierung auf, die erheblichen Klimaauswirkungen der landwirtschaftlichen Tierhaltung bei internationalen Klimaverhandlungen und der Ausgestaltung des deutschen Klimaschutzplans zu berücksichtigen. Dieser stellt die nationale Umsetzung des Klimaschutzabkommens von Paris dar. Über 66.000 Unterstützerinnen und Unterstützer aus Deutschland, den Niederlanden, Polen, Spanien und dem Vereinigten Königreich haben die Forderung in weniger als zwei Monaten unterzeichnet. Die Übergabe fand am Stand von ProVeg statt. Jochen Flasbarth zeigte sich zustimmend und unterstützend.

Podiumsdiskussion mit renommierten Klimaexpertinnen und-experten

„Reducing Livestock’s Long Shadow – Opportunities to keep warming well below 2°C“ lautete der Titel der von ProVeg organisierten Podiumsdiskussion, die im offiziellen Rahmenprogramm der Konferenz stattfand. Das Podium bestand aus führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie Dr. Marco Springmann von der Oxford University, Dr. Christina Tirado von der UCLA School of Public Health, Alon Shepon vom Weizmann Institute of Science und Dr. Helen Harwatt, die über die Auswirkungen der Tierhaltung und des Konsums tierischer Produkte forschen.

Die Diskussion zeigte deutlich auf, welche Umwelt- und Klimaauswirkungen das System der Tierhaltung und der Konsum tierischer Produkte hervorrufen. Dass es bereits konkrete Lösungsansätze gibt, wurde ebenso deutlich wie die entscheidende Rolle der Politik, diese aufzugreifen und umzusetzen. Ein beeindruckendes Plädoyer hielt dazu die israelische Parlamentsabgeordnete Yael Cohen Paran auf dem Podium. Sie rief die Politik dazu auf, fleischkonsumbedingte Treibhausgasemissionen nicht nur den produzierenden Ländern, sondern auch den Importländern anzurechnen, in denen das Fleisch letztendlich konsumiert wird.

Das Event war mit etwa 130 Gästen mehr als gut besucht. Darunter befanden sich Länder-Delegationen wie Abgeordnete des israelischen Parlaments, Klimaforschende und die Presse. Die Aufmerksamkeit der Medien war groß: Zeitungsartikel und diverse Onlinemagazine bestätigten den Erfolg der Veranstaltung. Großes Interesse herrschte vor allem auch deshalb, weil das Thema erstmals derart deutlich im Rahmen einer COP diskutiert wurde.

Ausblick auf das klimapolitische Jahr 2018

Auch nach der COP23 ist das Thema auf der politischen Bühne präsent. Zwei Wochen nach der Weltklimakonferenz befasste sich Jean-Luc Mélenchon, das Gesicht der politischen Linken in Frankreich mit der Problematik der Massentierhaltung. In einer Rede während des Parteitags der Linken forderte er eine notwendige Umstellung der Landwirtschaft auf mehr Pflanzeneiweiß.1 Damit signalisiert Mélenchon ein wachsendes Bewusstsein auf politischer Ebene.
So wird 2018 ein wichtiges klimapolitisches Jahr, in dem sich ProVeg weiterhin intensiv für die Thematik einsetzen und den politischen Dialog gezielt fortführen wird. In Deutschland wird das erste Maßnahmenpaket zur Ausgestaltung des deutschen Klimaschutzplans inklusive konkreter Instrumente verhandelt. Auf internationaler Ebene beginnt das Jahr mit der sogenannten Intersessional-Konferenz, bei der inhaltliche Leitlinien und konkrete Punkte für die nächste Weltklimakonferenz COP 24 in Kattowitz (Polen) verhandelt und vorbereitet werden. Dabei sollen die Themen Landwirtschaft und Ernährung nach Aussage von Dr. Martin Frick, Politik- und Programmdirektor des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), eine größere Rolle spielen als bisher – eine gute Möglichkeit für ProVeg, die Problematik der Nutztierhaltung im kommenden Jahr einzubringen.

Nico Nettelmann und Patricia Witkowski, ProVeg-Campaigning

Quellen

[1] Video der Rede: https://www.youtube.com/watch?v=n9cvWeYjJ8E&feature=youtu.be oder: https://www.facebook.com/JLMelenchon/videos/10155985205913750/ [15.12.2017]