Trotz Milchpreiserhöhung – Pflanzenmilch ist die bessere Wahl

In den vergangenen 2 Jahren sind die Milchpreise immer wieder gesunken. Letzte Woche hob Aldi die Preise für Milch und Milchprodukte um mehr als 40 % an. Doch eine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Kühen geht damit nicht einher. Die beste Wahl für Tier, Mensch und Umwelt sind pflanzliche
Milch-Alternativen.

Zwischen Molkereien und Handelskonzernen ist am 1. November Stichtag für neue Halbjahresverträge bezüglich ihrer Milchprodukte. Im Zuge dessen hoben Aldi Nord und Aldi Süd in der vergangenen Woche die Preise für Milch und einige Milchprodukte um mehr als 40 % an. So stieg zum Beispiel der Preis von 1 Liter Vollmilch von 46 auf 65 Cent und der Preis für 200 Gramm Schlagsahne von 30 auf 45 Cent.1

Trotz Milchpreiserhöhung keine verbesserten Haltungsbedingungen

In den letzten 2 Jahren sanken die Milchpreise stetig: Von 45 Cent Anfang 2014 fielen sie 2016 auf 28 Cent pro Liter. Im Frühjahr dieses Jahres lag der Milchpreis zwischenzeitlich bei 20 Cent. Sinkende Milchpreise führen dazu, dass immer mehr Milchbauern ihre Milchproduktion aufgeben müssen. Wie viel Geld von der aktuellen Preissteigerung tatsächlich bei den Milchbauern ankommt, bleibt abzuwarten.2

Doch auch wenn Milchbauern mehr Geld für ihre Milch bekommen, ändert sich an den tierquälerischen Haltungsbedingungen von Kühen nicht viel. Da Kühe wie alle Säugetiere nur dann Milch geben, nachdem sie ein Kalb geboren haben, werden sie mehrmals in ihrem Leben „zwangsgeschwängert“. Außerdem sind sie so überzüchtet, dass sie unnatürlich viel Milch produzieren. Das führt unter anderem zu Entzündungen ihres Euters. Kälber werden von ihren Müttern getrennt und nach wenigen Wochen geschlachtet. Sobald die Milchleistung der Kühe nachlässt, endet auch ihr Leben in der Massentierhaltung.

Milchproduktion übersteigt Nachfrage

Trotz sinkender Nachfrage wird in Deutschland mehr Milch als in jedem anderen europäischen Land produziert: 2015 waren es ganze 33 Millionen Liter. Diese Menge übersteigt nicht nur die nationale, sondern auch die internationale Nachfrage.3 Seit im März 2015 die EU-Milchquote auslief, können Milcherzeuger so viel Milch produzieren wie sie möchten. Über 30 Jahre lang gab es die EU-Milchquote, die die Milchproduktion in allen Mitgliedsstaaten beschränkte und zu stabilen Erzeugerpreisen führen sollte. Die Einkommen der Milchbauern konnten jedoch nicht wie geplant gesichert werden mittlerweile gibt es nur noch 75.000 Milcherzeuger in Deutschland (1984 waren es noch mehr als 350.000).4

Pflanzliche Milch-Alternativen

Kuhmilchprodukte enthalten viele gesättigte Fettsäuren. Eine hohe Aufnahme solcher Fette ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.5 Eine gesunde Alternative zu Kuhmilch stellt pflanzliche Milch dar. Sie ist lecker, vielfältig und kalziumreich. Auch pflanzliche Milch bekommt man mittlerweile vergleichsweise günstig im Discounter. Die preislichen Unterschiede zwischen Kuh- und Pflanzenmilch werden zunehmend geringer. Jedoch gilt bisher für Kuhmilch und Milchprodukte der ermäßigte Steuersatz von 7 %, während für Pflanzenmilch
19 % Umsatzsteuer berechnet werden.6 Pflanzenmilch gilt nach wie vor nicht als Grundnahrungsmittel im Gegensatz zu Kuhmilch. Es ist längst an der Zeit, dass sich das ändert.

Nicht nur für die rund 1 Million vegan-vegetarisch lebenden Menschen zählen die verschiedenen Pflanzendrink-Sorten wie Soja-Reis-Drink, Haferdrink oder Haselnussdrink zum Alltag: Mehr als 17 % der Bevölkerung in Deutschland sind laktoseintolerant.7 Darüber hinaus greifen immer mehr Konsumenten auf Milch-Alternativen zurück. Von 2010 bis 2015 hat sich der wöchentliche Konsum von Sojamilch verdoppelt: Mittlerweile trinken fast 1 Million Menschen circa einmal in der Woche Milch.8

Die verschiedenen Pflanzendrink-Sorten haben zudem den Vorteil, dass man sie ganz einfach und günstig selbst herstellen kann, zum Beispiel Mandelmilch. Probieren Sie es doch einmal aus!

Anna Doktor

Autorin

Anna Doktor

Online-Redaktion

Quellen

1 Süddeutsche (2016): Aldi erhöht Milchpreise drastisch. Online unter http://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/agrar-aldi-erhoeht-milchpreise-drastisch-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-161102-99-31837 [10.11.2016].

2 ZDF Heute (2016): Milch wird teurer – Aldi erhöht Preise. Online unter http://www.heute.de/milch-wird-teurer-aldi-geht-mit-preisanhebung-voran-45816032.html; video Milch macht’s nicht mehr [10.11.2016].

3 BMEL (2016): Niedrige Preise für Milch – Fragen und Antworten zur Lage. Online unter https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Agrarpolitik/1_EU-Marktregelungen/_Texte/Fragen_und_Antworten_Milch_2016.html [10.11.2016].

4 BMEL (2016): Das Ende der EU-Milchquote – Auswirkungen auf den Milchmarkt. Online unter https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Agrarpolitik/1_EU-Marktregelungen/_Texte/Auswirkungen-Ende-Milchquote.html [10.11.2016].

5 Harvard T.H. Chan School of Public Health: Calcium: What’s Best for Your Bones and Health? Online unter https://www.hsph.harvard.edu/nutritionsource/calcium-full-story/ [10.11.2016].

6 Umsatzsteuergesetz (UStG). Online unter https://www.gesetze-im-internet.de/ustg_1980/BJNR119530979.html [10.11.2016].

7 Statista: Prävalenz von Laktose-Unverträglichkeit in der Erwachsenenbevölkerung ausgewählter Ländern 2012. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/246822/umfrage/praevalenz-von-laktose-unvertraeglichkeit-in-ausgewaehlten-laendern/ [10.11.2016].

8 Statista: Bevölkerung in Deutschland nach Häufigkeit des Konsums von Sojamilchprodukten (z.B. Sojamilch, Sojajoghurt) von 2010 bis 2015 (in Millionen). Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/172355/umfrage/haeufigkeit-konsum-von-sojamilchprodukten/ [10.11.2016].